Der Hanseat und seit zwei Jahrzehnten in Prien lebende Wahlbayer Hans Herbert
Hartwieg öffnet uns ein Fenster in eine Welt der leuchtenden Farben und
der absoluten Abstraktion. Die weiten Himmel und das endlose Meer, die mit der
Hamburger Heimat verbunden sind, scheinen ebenso wie die gelben Rapsfelder,
das Grün der Voralpenlandschaft und das tiefe klare Blau des bayerischen
Meeres, des Chiernsees - auf ihre absolute Essenz konzentriert - in den Bildern
Eingang zu finden. Sie erscheinen wie ein lyrisches Destillat aus Natur- und
Lichterfahrung vor unseren Augen. Sie evozieren Ruhe und Harmonie, ermöglichen
Kontemplation und Meditation. In Musik umgesetzt wären sie Harfe und Flöte,
nicht Pauke und Trompete.
Früher Pastell und - seit einigen Jahren wie in dieser Ausstellung gezeigt - Acryl sind die Mittel mit denen Hartwieg die zum Teil auch monochromatischen Transition-Paintings malt, dabei die Pastellfarben vorsichtig auch mit Fingern immer mehr verwischend und nun die Acrylfarben in sehr subtiler Weise zu sanften Übergängen vermischend und vermalend, bis sie sich letztendlich in Licht und Leichtigkeit verwandeln, verschiedentlich auch mit einer akribischen Umkehrintarsie akzentuiert. Es sind Gedichte, die hier erzählt werden, keine Romane.
Der Maler versucht einer immer lauteren und schneller werdenden Welt, einer
sich in Lärm und Hast verlierenden Umwelt, Tiefe und Stille entgegen zu
setzten. Er fordert vom Betrachter Zeit, Zeit sich dieser Ruhe auszusetzen um
sie dann sehend aufzunehmen. Es sind Bilder, bei denen man verweilen sollte,
um sie auch wirklich zu erfahren. Der Regenbogen des Lichts, den sie uns anbieten,
kann nur gesehen werden, wenn man nicht oberflächlich an ihm vorbeigeht.
Sie sind keinesfalls nur Abstraktion und Dekoration, sondern eine aus einem
von Philosophie und Kunst geprägten Leben hervorgegangene Reflexion.
Hartwieg hat sich mit dieser Malerei mit dem Pinsel neue Wege erschlossen und
ist damit scheinbar gelegentlich in das Fahrwasser der wesentlichen Maler des
20. Jahrhunderts gekommen.